ÖGfE

Die Österreichische Gesellschaft für Epileptologie (ÖGfE) - vormals "Österreichische Sektion der ILAE" - ist bestrebt, die Erforschung der Epilepsie mit allen ihren Auswirkungen zu fördern, um die Voraussetzungen für einen weiteren Ausbau der Behandlung und sozialen Betreuung Epilepsie-kranker Menschen zu schaffen.*

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Wichtige Informationen & Fortbildungstermine

Viel zu früh ist unsere hochgeschätzte Kollegin und Freundin Univ.-Prof. Dr. Martha Feucht am 08.11.2025 nach still ertragener schwerer Erkrankung von uns gegangen. Martha Feucht war eine herausragende Persönlichkeit auf dem Gebiet der Pädiatrischen Epileptologie und hat über viele Jahre sowohl national als auch international die Epileptologie von Kindern und Jugendlichen nicht nur geprägt, sondern auch wesentlich weiterentwickelt.

Ihre Begeisterung für den ärztlichen Beruf, die Liebe zu ihren Patientinnen und Patienten sowie ihre Fürsorge war Inspiration für eine ganze Generation von Epileptologinnen und Epileptologen. Als engagierte Ausbildnerin kämpfte sie unermüdlich für die Verbesserung der Ausbildung aller an der Kinderneurologie interessierten Schülerinnen und Schüler, dafür hat sie sich mit großem persönlichem Einsatz bei unzähligen Tagungen eingesetzt. Sie hatte dabei immer ein offenes Ohr für fachliche Fragen, die sie stets mit beeindruckender Fachkompetenz zu beantworten wusste. Für die österreichische Kinderneurologie und -epileptologie war sie damit eine wichtige Pionierin in ihrem Fachgebiet, hatte dabei immer die fachlich optimale medizinische Betreuung der an Epilepsie erkrankten Kinder zum Ziel. Martha Feucht war nicht nur aufgrund ihrer Fachkompetenzen, sondern vor allem aufgrund ihrer Menschlichkeit, Besonnenheit und ihres unglaublichen Engagements für die Sache national und international anerkannt und hochgeschätzt. Am 19. Juni 1955 in Wien geboren, studierte sie 1973–1979 an der Universität Wien, erlangte zuerst das Ius-Practicandi für allgemeine Medizin – fünf Jahre später absolvierte sie die Facharztprüfung für Neurologie und Psychiatrie. Nach ihrer Ausbildung zur Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie wechselte sie an die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Medizinischen Universität Wien (AKH). Dort erlangte sie aufgrund ihrer medizinischen Tätigkeit den Zusatzfacharzt für Kinderneurologie, zuerst galt ihr primäres wissenschaftliches Engagement dem kindlichen Autismus. Ab 1993 leitete sie an der Medizinischen Universität Wien das EEG-Labor und baute ab 1994 gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Christoph Baumgartner von der Univ.-Klinik für Neurologie das größte epilepsiechirurgische Programm Österreichs auf. 2004 erfolgte im Zuge der Universitätsreorganisation der Umzug der Epilepsie-Monitoring-Unit (EMU) an die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde. Seit diesem Zeitpunkt leitete Univ.-Prof. Feucht die Pädiatrische Epileptologie, die EMU und den EEG-Bereich der Kinderklinik. Martha Feucht regte wesentliche Entwicklungen der Fachgesellschaften unter anderem als Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Epileptologie (2004–2008) sowie als Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für klinische Neurophysiologie (2011–2015) an. Weiterhin war sie im Proponenten-Komitee des DACH-Arbeitskreises für Epileptologie und zwischen 2019 und 2023 die erste Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für prächirurgische Epilepsiediagnostik und operative Epilepsiechirurgie. Als zertifizierte EEG-Trainerin der Österreichischen Gesellschaft für Epileptologie (ÖGfE) und Klinischen Neurophysiologie (ÖGKN) und der International League Against Epilepsy (ILAE) lag ihr die Ausbildung stets am Herzen. International war sie in zahlreichen, herausragenden EU-Projekten aktiv, wie z. B. EPICURE, EUROEPINOMICS, EPISTOP, ESPIRE, TOSCA. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer klinischen Arbeit und wissenschaftlichen Arbeit galt der Tuberösen Sklerose. Bereits 2012 gründete sie ein Expertisezentrum für Pädiatrische Tuberöse Sklerose an der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien und betreute österreichweit Patientinnen und Patienten mit der seltenen Erkrankung. Martha Feucht prägte eine Generation von jungen pädiatrischen Epileptologinnen und Epileptologen, betreute Kolleginnen und Kollegen zur Habilitation und betreute unzählige Doktorandinnen und Doktoranden. Sie motivierte die Jungmediziner durch ihr besonderes Engagement für ihr Spezialgebiet, verlangte sowohl ein großes Engagement für die medizinisch behandelten Kinder als auch für die wissenschaftliche Aufarbeitung der erhobenen medizinischen Erkenntnisse. Einer der Höhepunkte für sie war die Zertifizierung als Mitglied des europäischen Referenznetzwerkes EpiCARE (ERN EpiCARE), das gemeinsam mit Salzburg zertifiziert und als nationales Netzwerk anerkannt wurde. Sie hat ein eindrucksvolles wissenschaftliches Oeuvre hinterlassen, mit einem H-Index von 54 und über 300 Publikationen. Ein Ziel ihrer Arbeit bestand immer darin, eine Verbesserung der Versorgung von Epilepsie-Patientinnen und Patienten zu erreichen. Trotz ihrer schweren Erkrankung blieb sie ungebrochen in ihrem Arbeitseifer und hielt bis kurz vor ihrem Tod noch Vorträge. Sie wollte noch viele Projekte fortführen und wichtige Dinge beenden. Martha Feucht hinterlässt eine große Lücke – als Kollegin und als Mensch. Sie verfügte über ein bemerkenswertes Gedächtnis, das weit über fachliche Details hinausreichte. Wer mit ihr gearbeitet hat, erinnert sich an ihre außergewöhnliche Aufmerksamkeit, ihre Herzlichkeit und ihre Fähigkeit, jedem Gegenüber das Gefühl zu geben, gesehen und ernst genommen zu werden. Martha Feucht hinterlässt ihren Mann Martin sowie 3 Kinder Christoph, Alexander & Theresa. Ihnen gelten unser tiefstes Mitgefühl und persönliche Anteilnahme. An Martha werden wir uns stets gerne erinnern und sie wird uns im Alltag unvergessen bleiben.

 

Der Nachruf ist ein Auszug aus der Fachzeitschrift "Clinical Epileptology" © Springer Medizin Verlag GmbH, part of Springer Nature 2025

Autoren: Eugen Trinka · G. Krämer · E. Pataraia · A. Dressler · E. Haberlandt

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